Algenwuchs im Aquarium vorbeugen

Algen trüben nicht nur das Bild im Aquarium, sie können auch das empfindliche Gleichgewicht im künstlichen Lebensraum zum Kippen bringen. Denn unter „guten“ Bedingungen vermehren sich Algen explosionsartig und sterben anschließend sehr plötzlich wieder ab. Diese ganze organische Masse wird praktisch zeitgleich durch Bakterien oder Pflanzenfresser wie Schnecken zersetzt. Das zieht jedoch viel Sauerstoff und setzt Nährstoffe frei. Schlimmer noch – einige Algenarten oder deren Algenblüte setzen beim Absterben Giftstoffe frei. Zumindest sind zu viele Algen oder die absterbende Algenblüte eine Gefahr für das ganze Aquarium. Ein paar Algen sind hingegen sogar willkommenes Futter für verschiedene Wassertiere.

Indiz für zu hohen Nährstoffgehalt im Wasser, die Fadenalge (Grünalge)

Es gibt einige Tricks, um starkem Algenwuchs vorzubeugen:

– eine nicht zu lange oder starke Beleuchtung wählen

– Wasserpflanzen mit hohem Nährstoffbedarf einsetzen

– Pflanzendünger und CO2 in passender Dosis ins Aquarium einbringen

– absterbende Pflanzen oder Pflanzenteile rechtzeitig entfernen

– übermäßigen Mulm absaugen

– Algenfresser im Aquarium ansiedeln

– Zierfische nur knapp füttern

– modernden Bodengrund wechseln

– auf die Wasserwerte achten und regelmäßige Wasserwechsel einplanen

Die richtige Beleuchtung für Aquarien

Nicht die Wattzahl, sondern das für Pflanzen verwertbare Licht entscheidet darüber, ob ein Leuchtmittel gut ist. Es ist sogar noch komplizierter, dass Pflanzen und Algen auf einige Bereiche im Lichtbogen unterschiedlich gut ansprechen. Wer eigentlich alles richtig macht und dennoch Probleme mit Algen hat, kann eventuell mit einem Leuchtmittel, das einen leicht anderen Lichtbogen hat, entgegen wirken. Oder es fällt gelegentlich etwas Sonnenlicht auf das Aquarium? Dieses ist ein pures Algen-Wuchsmittel, kein Aquarium darf deswegen direktes Sonnenlicht abbekommen.

Es muss keiner studieren, um sein Aquarium zu beleuchten. Es gibt im Aquarienhandel passende Leuchtstoffröhren, Leuchtmittel, LED-Balken oder LED-Streifen. Meist wird zu diesen Leuchtmitteln eine Lumen-Zahl angegeben. Diese Lumen sind eine Möglichkeit, die Lichtstärke zu messen. 

Für Pflanzen mit geringem Lichtbedarf: 20 Lumen je Liter oder weniger

Für Pflanzen mit mittlerem Lichtbedarf: 25 bis 30 Lumen je Liter

Für Pflanzen mit hohem Lichtbedarf: 35 Lumen je Liter oder mehr

Die Literzahl im Aquarium wird mit den Lumen multipliziert, schon ergibt sich eine Lumen-Gesamtzahl, welche sich für die Beleuchtung eignet. Vorausgesetzt wird, dass die Leuchtmittel sich knapp über dem Wasser befinden und auf das Wasser ausgerichtet sind. Häufig werden neben den Leuchtmitteln also passende Reflektoren benötigt.

Tipp: Viele Aquarianer wählen eine mittlere bis starke Beleuchtung und setzen die genügsamen Pflanzen so, dass sie nicht zu viel Licht erhalten. 

Der zweite extrem wichtige Faktor ist die Beleuchtungslänge. Hier werden 8 bis 12 Stunden empfohlen. Wenn die Beleuchtung eher knapp ist, etwas länger, sonst kürzer. Sollten gerade Algen aufkommen, wären vielleicht sogar nur 6 Stunden besser. Werden mehrere Leuchtmittel eingesetzt, könnten auch einige aus bleiben. Aber auch bei einer Neubepflanzung des Aquariums kann eine kürzere Beleuchtungsdauer in den ersten Wochen besser sein. Zumindest lässt sich alles sehr bequem mit Zeituhren ansteuern.

Nährstoffe aufzehren

Algen brauchen Nährstoffe und gerade ein Übermaß an Phosphor führt zum Algenwuchs, das eigentliche Problem ist meist Nitrat. Deswegen soll es im Aquarium sogenannte „Starkzehrer“ geben. Es handelt sich um Wasserpflanzen mit besonders hohem Nährstoffbedarf.

Beispiele:

– Hornkraut

– Wasserpest

– Nixkraut

– Froschbiss

– Sumpffreund

– Wasserlinse

Diese Starkzehrer saugen die Nährstoffe im Aquariumwasser auf? Nicht ganz, da in den meisten Aquarien ein einseitiges Übermaß bestimmter Nährstoffe aufkommt. Deswegen ist es wichtig, einen ergänzenden Pflanzendünger zu geben, der andere wichtige Nährstoffe einträgt. Dieser muss jedoch gut dosiert wirken. Außerdem kann es passieren, dass denn Pflanzen das CO2 im Wasser zu knapp wird. Deswegen wäre während der Beleuchtungsphase eine zuverlässige und ebenfalls passend dosierte CO2-Begasung sinnvoll. Am zuverlässigsten sind CO2-Druckflaschen mit passendem Entnahmeventilen. Auch hier gibt es im Fachhandel für Aquaristik reichlich Auswahl.

Wenn die Starkzehrer schnell wachsen, wird auch viel Pflanzenmasse im Aquarium wieder absterben. Einiges fressen vielleicht die Wasserbewohner. Besser ist es, die absterbenden Pflanzen oder Pflanzenteile rechtzeitig zu entfernen. Auch Mulm am Bodengrund soll nicht überhand nehmen, ist aber genau wie Grünalgen für viele Aquarientiere sehr wichtig. Es ist also ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Algenfresser im Aquarium halten

Die Amanogarnele ist ein Klassiker, weil sie sehr viele Algenarten und sehr große Mengen davon frisst.

Es gibt auch Algenrennschnecken oder Siamesische Rüsselbarben, welche sehr groß werden.

Rennschnecken helfen, den Algenwuchs unter Kontrolle zu halten

Es gibt viele weitere Zwerggarnelen, Schnecken oder Zierfische, die ein paar Algen verzehren. Wenn diese sich gut in das eigene Aquarium integrieren lassen, wäre es eine Überlegung wert. Sobald einige Beckenbewohner die Algen dezimieren, kommen diese nicht so schnell hoch. Der Nachteil lautet jedoch, dass die gefressenen Algen wieder ausgeschieden werden. Deswegen braucht jedes Zierfisch-Aquarium einen guten Aquarienfilter, der die Ausscheidungen mit seinen Filterbakterien in weniger schädliches Nitrat umwandelt. Aber auch dieses wird sich mit anderen Abfallstoffen im Wasser anreichern.

Damit es im Aquarium nicht so viele Abbauprodukte gibt, sind Zierfische und andere Tiere immer nur knapp zu füttern. Was sie nicht fressen, belastet sonst das Wasser oder sickert in den Bodengrund. Hier kann dann eine sehr giftige anaerobe Zersetzung aufkommen, die Methan freisetzt. Wer vorsichtig im Boden rührt und aufsteigende Bläschen sieht, hat das Problem bereits. Oder es wird eine umgedrehte Glasschale auf den Bodengrund gesetzt. Wenn sich eine Luftblase bildet und diese den typischen Geruch aufweist, ist es ebenfalls Methan. Dann ist es besser, die betroffenen Stellen im Bodengrund vorsichtig zu entfernen beziehungsweise abzusaugen. Mit etwas Glück reicht es, die Futterstelle zu erneuern. Das Absaugen gelingt besonders gut im Zuge eines Wasserwechsels.

Der regelmäßige Wasserwechsel

Wenn eine Algenblüte aufkommt, ist dieses auch die Folge des Überangebots mit Nährstoffen im Wasser.  Es handelt sich um die Ausscheidungen der Tiere oder die Abbauprodukte der Pflanzen- und Futterreste. Deswegen sind auch im gepflegten Aquarium regelmäßige Wasserwechsel einzuplanen. Der Wasserwechsel ist immer auch eine Frage der eigenen Erfahrung. Demnach wird ein wöchentlicher Wasserwechsel empfohlen. Einige empfehlen einen Wechsel von 25, andere von 50 % und die nächsten wählen zweimal wenig, einmal viel.

Wichtig ist, ein gutes Test-Set für verschiedene Wasserwerte zu haben und vor dem Wasserwechsel zu verwenden. Für Wirbellose darf im frischen Wasser kein Kupfer sein. Generell darf dieses frische Wasser kein Chlor enthalten. Wer keine Wasseraufbereiter verwendet, kann das Wasser über Nacht stehen lassen. Da dieses mit passender Temperatur in das Aquarium kommt, könnte ein passend großer Heizstab das Wasser bereits heizen. Außerdem ist die Wasserhärte anzupassen. 

Die benötigte Wassermenge lässt sich auch am Nitrat-Wert ablesen. Je nach Besatz muss dieser Wert sehr niedrig ausfallen, es gibt zumindest für jedes Aquariumtier eine verträgliche Grenze. Diese darf vor dem Wasserwechsel nicht erreicht sein, sonst ist künftig mehr Wasser zu wechseln. Wer noch viel Luft hat, kann auch weniger Wasser entnehmen und wieder auffüllen.

Es muss also einen passend großen Wassertank geben, der sich im Idealfall rollen lässt. Oder der Schlauch muss um so länger sein. Tank, Schlauch und auch das Wasser müssen sich für Trinkwasser eignen. Das Frischwasser muss außerdem zu den Wasserwerten im Aquarium passen. Weiterhin ist es wichtig, dass das angesogene Wasser irgendwo durch den Schlauch in eine Duschwanne oder Tank läuft. Wer keinen Mulm oder Bodengrund absaugen will, hängt den Schlauch auf die Höhe, bis zu der das Wasser entfernt wird. Wer um seine Kleintiere bangt, kann einen kleinen Filter vor den Schlauch befestigen. 

Algenwuchs vorbeugen ist besser, als Algenbekämpfung

Algen im Aquarium sind eine Wissenschaft für sich, die mehrere Bücher füllen würde. Genau deswegen ist es besser, dem Algenwuchs vorzubeugen. Die unschönen Algen zu bekämpfen ist immer anstrengender, als den Algenwuchs zu bremsen. Ein paar Grünalgen gehören dennoch zum Aquarium dazu.

Gedeihen verschiedene Algen bereits zu prächtig, wird es Zeit für direkte Gegenmaßnahmen. Weniger Licht und weniger Beleuchtungsstunden lassen sich sehr gut mit intensiveren Wasserwechseln und einer knapperen Fütterung im Aquarium kombinieren. Andere Maßnahmen mit Starkzehrern oder algenfressenden Aquarientieren brauchen etwas Vorlauf. Doch richtig kompliziert wird es, wenn sich Blaualgen ausbreiten. Hier helfen nur noch tägliche Wasserwechsel mit bis über 80 % und eine wochenlange Dunkelkur, die zur Belastung für alle Pflanzen und Tiere wird.

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suesswasser
Admin
18. Dezember 2021 9:51

Danke an Robert für den tollen Beitrag, das Wichtigste zum Thema Algen im Aquarium gut zusammengefasst!

Robert
Robert
18. Dezember 2021 16:40
Reply to  suesswasser

Vielen Dank, dass ich diesen bei euch veröffentlichen darf.