Tropfen-Wassertest

Wasserwerte im Aquarium

Leben und Tod deiner Wassertiere und Pflanzen hängen direkt an der Zusammensetzung und Beschaffenheit des Wassers. Speziell in der Anfangszeit, der „Einlaufphase“ des ersten Aquariums ist hier besonderes Augenmerk zu legen.

Die Wasserwerte:

  • PH-Wert
  • GH = Gesamthärte
  • KH = Karbonathärte
  • Nitrat bzw. Nitrit

erfährt man bei seiner Gemeinde oder dem lokalen Wasserversorger gleich online, bei mir sieht das beispielsweise so aus:

wasserwerte für suesswasser-aquarium
Wasserwerte, Leitungswasser geeignet fürs Aquarium?

Da diese Werte oft nur einmal jährlich erhoben werden, sollte jeder Aquarianer einige Teststreifen, bzw. Schnelltests zu Hause haben.
Tropfentests sind zuverlässiger.
Natürlich sind das nur einige der wichtigsten Wasserwerte. Ich will diesen Leitfaden für Anfänger möglichst einfach halten, und auf optimale Werte für Vermehrung und Zucht (nur mit Osmose und Zusätzen zu erhalten) oder spezielle Tiere gehen wir später gesondert ein.

Spätestens jetzt muss man wissen, welche Fische (Wochen später) ins Aquarium kommen. Nehmen wir mal als häufig verbreitetes Beispiel Neonsalmler und Panzerwelse:

WasserwerteNeonsalmler (roter, blauer)Panzerwelse
Temperatur (° C)20-2622-26
PH5,0-7,56-7,5
GH2-19°2-17
KH (dKH)2-16°12 (max.)
Nitrat (NO3)0-25mg/l0-25mg/l
Nitrit (NO2)0 bzw. (tatsächlich)<0,05 mg/l0 bzw. (tatsächlich)<0,05 mg/l

Zwischen theoretischen Werten, die in den heimischen, meist tropischen Gewässern der Zierfische mit niedrigem Mineraliengehalt und eher saurem Milieu und den Bedingungen der Nachzuchten liegen große Unterschiede.

Nicht zuletzt deshalb liegen die Werte je nach Quelle in unterschiedlichen Bereichen. Außerdem gibt es zu den genannten Fischen unzählige Unterarten wie rote und blaue Neons, Zwergpanzerwelse (marmoriert, Panda,…) die wiederum andere Wasserbedingen beanspruchen. Die oben genannten Werte und Tabellen sind als grobe Durchschnittswerte zu sehen, damit man ohne chemisches Fachwissen einschätzen kann, wie das eigene Leitungswasser beschaffen ist. Wenn du dich für eine bestimmte Fischart entschieden hast – hier ist in erster Linie die Wuchsgröße und die Anforderung an dein Aquarienvolumen maßgeblich – weißt du auch den lateinischen Namen der betreffenden Unterart und kannst die exakten Werte recherchieren bzw. beim Aquaristik-Fachgeschäft deines Vertrauens erfragen. Wir haben versucht, ähnliche Wasserwerte wie unser lokaler Zooshop zu erlangen, sind die Fische ja seine Bedingungen gewohnt.

Fazit:

Ob der PH-Wert nun bei 6,8 oder 7,4 liegt, dürfte für die hier genannten Zierfische kaum eine Rolle spielen. Das Zusammenspiel aus Gesamt-, Karbonathärte und PH ist komplexe Chemie und für Laien schwer verständlich.

Als Aquarianer versucht man natürlich immer, möglichst optimale Werte zu erlangen, in der Praxis lässt unser Leitungswasser aber ohne weitere Hilfsmittel kaum große Verbesserungen zu. Vorsicht bei den unzähligen „Tipps“ und Ratschlägen in diversen Foren, die behaupten ein paar Moorwurzelstücke oder Eichenblätter  oder auch spezielle Seemandelbaumblätter würden den PH-Wert nennenswert senken. Ich habe mich ausgiebig damit beschäftigt und unzählige Teststreifen verbraucht ohne merklich verbesserte Ergebnisse außerhalb der Messtoleranz zu erhalten.

Wer, wie ich, in einem Versorgungsgebiet mit besonders karbonathaltigem, harten Wasser und einem PH über 7,8 leben muss, der wird ohne Osmoseanlage nicht weit kommen. Regenwasser nennen manche hier noch als Alternative, nur will ich persönlich keine Bakterien oder potentielle Krankheitserreger (Mückenlarven) vom Garten einschleppen und habe mich für die Osmoseanlage entschieden. Klingt aufwändig, ist aber bei einem 54 Liter Aquarium und etwas Geduld kein Thema.

Osmoseanlage fürs Aquarium – Wasserwerte verbessern

Wasser im Alpenbereich ist generell sehr reich an Mineralstoffen und vor allem „Kalk“, die umgangsprachliche Bezeichnung für Calcium bzw. Magnesium und deren Verbindungen. Was für die (menschliche) Ernährung von Vorteil ist,  kann für die meisten Zierfische, die aus dem asiatischen bzw. tropischen Raum kommen, aber zum Problem werden. Ich will jetzt nicht genauer auf Wasserhärte bzw. Karbonathärte eingehen, wichtig für Aquarianer ist es zu wissen, dass viele beliebte Aquarientiere für unser Verständnis wesentlich „weicheres“ Wasser erfordern.

Wie enthärte ich das Wasser fürs Aquarium?

  • Für Experimenierfreudige, sparsame Aquarienbesitzer könnte auch Regenwasser seinen Zweck erfüllen, aber bedenke, Regenwasser ist zwar „weiches“ Wasser im Sinne von Mineralstoffgehalt, enthält aber unzählige gelöste Schadstoffe aus der Luft und auch Salpetersäure sowie Schwefelsäure in geringen Mengen (saurer Regen). Von den Mikroorganismen, Viren und Bakterien, die sich dann in den Tonnen sammeln, womit man das Regenwasser auffängt, ganz zu schweigen.
  • Destilliertes Wasser wäre die theoretisch beste Lösung, doch selbst in großen Gebinde vom Preis und Umweltgedanken her keine praktikable Lösung. Für ein Nano-Aquarium oder Aufzuchtbecken zum kurzfristigen Erlangen der  gewünschten Wasserwerte vielleicht eine Option, langfristig sollte man sich aber folgende Lösung überlegen:
  • Osmoseanlage „filtert“ den Großteil der Mineralien und Schadstoffe aus dem Leitungswasser, nicht mit herkömmlichen Wasserfiltern, oft aus dem Esoterikbereich, verwechseln!
    Osmoseanlagen für Aquarianer verfügen über einen Wasseranschluss, mehrere Filterstufen und Membranen, einem Restwasserausgang und natürlich dem Ausgang mit Osmosewasser, das wir fürs Aquarium brauchen. Klang für mich zu beginn meiner „Karriere“ als Aquarianerin auch viel zu technisch und kompliziert. Ist es aber bis auf einen passenden Wasseranschluss (Adapter) aber nicht: Fertige Anlagen fürs Aquarium werden großteils mit passenden Anschlüssen geliefert, sind nahezu wartungsfrei und leicht zu installieren. Strom wird hier keiner verbraucht, sehr wohl aber Wasser verschwendet (Restwasser – dazu später mehr).
    Kosten: € 60,- aufwärts;

Welche Osmoseanlage soll ich kaufen?

Die Marktsituation ist zwar überschaubar, aber aufgrund der Preisspannen sollte man sich eine ausreichende, aber nicht überdimensionierte Anlage anschaffen.

  1. Wie hart  ist mein Leitungswasser?
  2. Mit welchem Druck und
  3. mit welcher Temperatur kommt es aus der Leitung?
  4. Welche Wasserwerte will ich erhalten?
  5. Welche Mengen brauche ich regelmäßig?
  6. Welche Werte will ich schlussendlich im Aquarium erreichen?

Das sind die Kriterien, ob eine günstige Kompaktanlage kauft, oder ob man einige hundert Euro in die Hand nimmt und in eine große, professionelle Anlagen investiert. Schlussendlich entscheiden die persönlichen Anforderungen. Auch zu bedenken ist die Menge an „Restwasser“, die eine Anlage produziert. Verwendet man dieses nicht weiter (etwa zum Blumen gießen) und leitet es direkt in den Abfluss, so ist es doch eine „Verschwendung“ von Wasser. Die Verhältnisse von Osmose zu Restwasser betragen je nach Anlage und vor allem Leitungsdruck und Beschaffenheit des Wassers 1:2 bis 1:5.

Meine Erfahrung mit der Dennerle Osmoseanlage:

Nach kurzer Recherche und Lesen einiger Bewertungen habe ich  mich für die Dennerle „Osmose Professional 190“ entschieden. Zwar hätte es die kleinere Variante „compact 130“ auch getan, da wir in unserer Region ausgesprochen „hartes“ Wasser haben und ich nicht zig Stunden auf das Osmosewasser warten will, war ersteres Modell sicher eine gute Wahl. Die Kennzahlen bei Dennerle geben die theoretische  24-Stundenleistung an Osmosewasser an. In der Praxis läuft die Anlage bei mir etwa 3 Stunden, was knapp 15 Liter ergibt und meinem üblichen Teilwasserwechsel entspricht.

So, endlich haben wir ein bepflanztes Süßwasseraquarium mit den passenden Wasserwerten, aber halt bevor du deine Fische einsetzt!

Aquarium einlaufen

Nein, hier schrumpft nichts – „einlaufen“ ist die Zeit, die ein neues Aquarium ohne fremde Hilfe (Wasser eines bereits länger in Betrieb und besetzten Beckens oder spezielle Bakterienkulturen) benötigt, um ein funktionierendes Ökosystem zu werden.

Bevor man die ersten Tiere einsetzt, sollte das Aquarium mit Bepflanzung bereits einige Tage (mit Starterkulturen-Bakterien) bzw. Wochen laufen, also mit Pumpe und Beleuchtung in Betrieb sein.
Diese Einlaufphase darf nicht unterschätzt werden. Auch ich war anfangs ungeduldig und dachte nach täglicher Kontrolle der Wasserwerte „sieht ja alles toll aus“.

Also nach 8 Tagen zum Zoofachgeschäft und die ersten 5 Neonsalmler geholt: großer Fehler!
Was dann passiert ist, kannst du hier nachlesen: Fehler beim 1. Aquarium – Einlaufphase

 

 

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Osmo
6. Oktober 2020 9:16

Hallo, dein Beitrag ist sehr interessant. Könntest du noch eine Liste mit Tipps für die Einlaufphase bereitstellen? Also nicht, was man falsch machen kann, sondern wie man es richtig macht 😉 Das wäre spitze! Danke, Osmo